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Zecken: Fragen und Antworten

August 16, 2016

Heute möchte ich gern für Sie häufige Fragen aus der Sprechstunde zu Zeckenstichen (Zecken beissen nicht, sie stechen) zusammenfassen:

 

Können Zecken Krankheiten übertragen?

Ja. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Borreliose, eine von dem Bakterium Borrelia burgdorferi verursachte Krankheit. Weniger häufig ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch ein Flavivirus verursacht wird.

 

Fallen Zecken von den Bäumen?

Nein. Zecken leben bevorzugt auf niedrig wachsenden Pflanzen bis 1.5. m Höhe und lassen sich dort von uns im Vorübergehen abstreifen. Dann suchen sie sich ein warmes Plätzchen auf unserer Haut, um uns zu stechen und sich mit unserem Blut vollzusaugen. Dabei können Krankheiten übertragen werden. Übrigens wird es in den Bergen oberhalb von 1'500 m mit zunehmender Höher immer unwahrscheinlicher, auf eine Zecke zu treffen.

 

Muss ich Angst vor einem Zeckenstich haben?

Nein. Gegen die FSME können Sie sich impfen. Nach drei Impfungen besteht Schutz für 10 Jahre. Und wenn Sie unklare Hautauschläge, insbesondere dort wo sie eine Zecke gestochen hat, Ihrem Hausarzt zeigen, müssen Sie auch vor der Borreliose keine Angst haben, da diese Krankheit in diesem Stadium mit einem Antibiotikum gut behandelbar ist.

 

Soll ich nicht lieber nach jedem Zeckenstich ein Antibiotikum einnehmen?

Nein. Die Antibiotika-Einnahme wird heute im Frühstadium der Borreliose nur bei einem typischen Hautausschlag (Erythema chronicum migrans) empfohlen. In der Regel muss dann während 2 Wochen 2 x tgl. 1 Tbl. Doxycyclin eingenommen werden. Dies macht wegen möglicher Nebenwirkungen nur bei nach sorgfältiger Abwägung durch einen Arzt Sinn. In der Vergangenheit wurde diese Frage aber immer wieder diskutiert. Ein Nutzen einer Antibiotikgabe nach jedem Zeckenstich konnte jedoch nicht belegt werden. Im Gegenteil, man muss wohl davon ausgehen, dass es vielen Patienten sogar schaden würde.

 

Soll ich die Zecke aufheben und in die Praxis bringen, damit sie auf Borreliose und FSME untersucht werden kann?

Nein. Auch dies wurde in der Vergangenheit diskutiert. Nach heutigem Wissensstand hat der Patient davon jedoch keinen Vorteil. Auch wenn die Zecke die Krankheitserreger tragen würde, würde man Antibiotika gegen Borrelien trotzdem nur bei einem typischen Hautausschlag geben. Gegen FSME gibt es ausser der Impfung keine Therapie. Das Untersuchen der Zecke hätte also auch diesbezüglich keine Konsequenz.

 

Wäre es nicht besser einen Labortest zu machen, statt auf einen Hautausschlag zu warten?

Nein. Nach heutigem Wissenstand ist Labordiagnostik keine geeignete Methode, um eine Borreliose im Frühstadium zu diagnostizieren. Selbst im Spätstadium ist der Umgang mit den Resultaten der Bluttests (Borrelien-Serologie) sehr komplex. Die einzige verlässichen Befunde sind der typische Hautausschlag, sofern er denn auch in typischer Form auftritt (Erythema chronicum migrans), und der direkte Nachweis der Borrelien selbst in Körpergeweben oder bestimmten Körperflüssigkeiten. Labortests können sogar gefährlich sein, weil sie häufig falsch negativ sind, die Patienten sich dann in Sicherheit wiegen und der Hautausschlag evtl. verpasst wird.

 

Wie entfernt man eine Zecke?

Man fasst Sie mit einer feinen Pinzette oder einer "Zeckenzange" direkt an der Hautoberfläche, also hinter dem Kopf und nicht am Körper und zieht sie langsam heraus. Drehen ist nicht nötig. Erst danach wird die Einstichstelle desinfiziert. Es sollen keine Salben, Öle oder Desinfektionsmittel auf die noch in der Haut steckende Zecke getan werden. Damit wird die Übertragungswahrscheinlichkeit von Krankheiten eher erhöht und sie lässt sich auch nicht leichter entfernen. Eine kleine dunkel Verfärbung der Einstichstelle ist normal. Im Zweifel gehen Sie zu ihrem Hausarzt.

 

Die Deutsche Borreliose-Gesellschaft empfielt aber auf ihrer Homepage und in ihrem Flyer ganz anderes?

Zur Borelliose gibt es im Internet und in der Tagespresse unzählige Meinungen und Veröffentlichungen. Für den Patienten ist es deshalb sehr wichtig, sich an seriöse Veröffentlichungen wie die des BAG, des Robert-Koch-Instituts, der allgemein-internistischen, infektiologischen, pädiatrischen, rheumathologischen,  und neurologischen Fachgesellschaften zu halten. Dort werden die Ergebnisse von vielen Jahrzehnten solider Forschung in die Empfehlungen miteinbezogen. Die Webiste und Informationen der Deutschen Borreliose-Gesellschaft empfehle ich meinen Patienten nicht. Empfehlenswerte weiterfühende Links finden Sie am Ende dieses Artikels.

 

Das ist alles sehr verwirrnd für mich. Woran soll ich mich denn nun halten?

Gehen Sie auf jeden Fall raus in die Natur, geniessen Sie den Sommer. Nach Aufenthalten an typischen Stellen suchen Sie den Körper zu Hause nach Zecken ab. Entfernen Sie jede Zecke möglichst bald wie beschrieben. Lassen Sie sich gegen FSME impfen und zeigen Sie jeden verdächtigen Hautausschlag Ihrem Hausarzt. Unter diesem Voraussetzungen müssen Sie keine Angst vor Zecken haben!

 

 

Weiterführende Informationen:

Bundesamt für Gesundheit: Borreliose

Robert-Koch-Institut: Borreliose

 

 

 

 

 

 

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